Abschieds- und Erinnerungsfotografie

Erinnerungsfotografieist vielfältig – und ein wichtiger Baustein in unserer Abschiedskultur


Immer wenn sich etwas gravierend ändert oder ungeplant passiert, müssen wir uns neu orientieren. Die Phase dazwischen ist geprägt durch das Abschied nehmen und die damit verbundene Trauer.

Trauer ist ein langer Prozess – oft setzt sie schon vor dem bestimmten Ereignis ein. Fotografien können diese Zeit sehr hilfreich unterstützen: Im Trauerprozess selbst und als Teil unserer Erinnerungen.

Als Fotografin habe ich bisher Abschieds- und Erinnerungsfotografie vorrangig mit dem Lebensabschied verbunden: Familienbilder vor dem Tod eines geliebten Menschen, Beerdigungsreportagen, Totenbilder.
Abschied ist aber mehr. Ebenso die Erinnerungsfotografie – darum soll es hier gehen:

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Lebensabschiedsfotografie

Eine letzte (oder vorletzte oder vorvorletzte) Familienreportage – im Miteinander der Familie, mit Gesprächen über Erinnerungen und die Zukunft. Mit Lachen, Tränen und Schweigen.

  • vielleicht hat ein Familienmitglied ein hohes Alter erreicht oder es gibt eine Diagnose
  • zuhause oder in der Natur
  • nahbare und respektvolle Bilder, die Erinnerungen schaffen und Platz für Gefühle lassen
  • optional mit Pausen für emotionale Beratung und Begleitung

Lebendige Erinnerungsfotografie

Meine Lebensabschiedsreportagen zeigen das Leben, nicht den Tod. Das Zusammensein, die Besonderheiten, Portraits und Details.

Wenn es die vorgezogene Trauer und Emotionalität zulässt, komme ich zu euch nach Hause. Vielleicht gibt es auch einen Garten, wo wir picknicken können.

Möglich ist eine fotografische Alltagsbegleitung, aber auch gestellte Bilder, die mit eingewoben werden.

Durch meinen Hintergrund als Systemische Beraterin, stehe ich emotional begleitend zur Verfügung. Auch eine Vor- und Nachbereitung ist möglich.

Meinen Vater habe ich ein dreiviertel Jahr vor seinem Tod fotografiert. Es war eine Reportage, auf der ich ihn vom Aufstehen bis zum Abend begleitet habe. Mit seinen Mühen beim Laufen, beim Kaffeekochen und Arbeitszimmer aufräumen, auf seinem Treppenlift und mit Portraits.

Nur zwei Monate danach kam er für längere Zeit ins Krankenhaus und konnte schließlich das Bett nicht mehr verlassen

Für mich sind die Bilder Lebensbegleiter geworden, von großer Bedeutung und Erinnerungskraft, weil sie so viel Typisches zeigen.

Meine erste Abschiedsreportage
Abschied

Meine erste Abschiedsreportage

Do it now!Sometimes ‘later’ becomes ‘never’. Es ist ein Unterschied, ob ich Schnappschüsse mache oder ganz bewusst eine Abschiedreportage fotografiere. Erstere entstehen zwischendurch, ohne spezielle Haltung, aus Freude am Moment oder am Bild. Diese – meine erste – Abschiedsreportage war bewusst entstanden. Im Wissen des kommenden Endes, mit der klaren Haltung, dass es allen gut…


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Bestattungsfotografie

Bestattungen sind voller berührender Momente, Details, Begegnungen. Vor allem ziehen sie sehr schnell an einem vorüber. Erinnerungen daran verfliegen schnell.

  • einfühlsam und diskret
  • Trauerreportage mit Blick aufs Ganze und die Details
  • wichtig ist das Einverständnis der Gäste

Diskret Erinnerungen schaffen

Egal ob Urnenbestattung oder Beerdigung, auch Seebestattungen – alle haben eines gemeinsam: Freunde und Familie nehmen Abschied, treffen sich noch einmal. Es gibt Austausch über Erinnerungen. Es wird ganz unterschiedlich getrauert. Tränen, Rituale, Schweigen, Gespräche, auch Lachen.

All das ist wünschenswert. Erinnerungsfotografie darf die Vielfalt und Schönheit im Abschied zeigen.

Mein Zugang zu euch ist ganz individuell.
Manchmal halte ich mich sehr im Hintergrund und arbeite sehr diskret.
Oftmals ergeben sich auch Gespräche und ich bin mit dabei. Es entstehen sehr nahbare Bilder.
Begleitend dazu gibt es Übersichtsfotos, Details und Reportagebilder.

Wir besprechen alle Wünsche im Vorgespräch.


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Elternhausfotografie

Ein Mensch stirbt und lässt ein Haus zurück. Oftmals war das Haus nicht nur dessen Wohnort sondern auch für die Anverwandten voller wichtiger Erinnerungen. Bilder helfen zu erinnern und sich zu lösen.

  • für Häuser, Wohnungen und Gärten
  • Überblicke über Räume & Details
  • auch für Umzüge

Räume, Dinge und Geschichten

Ein wichtiger Teil der Erinnerungsfotografie sind Aufnahmen von Elternhäusern.
Wenn Eltern sterben und den Kindern ein Haus oder eine Wohnung hinterlassen, gibt es viele Herausforderungen.
Es muss (oftmals schnell) beräumt werden und zugleich braucht man viel Zeit für die eigenen Erinnerungen, die mit dem Haus verbunden sind.

Das Sofa, wo Papa immer gelesen hat. Das Kaffeeservice mit den blauen Blumen von Oma. Der alte vollgestapelte Schreibtisch, wo man niemals etwas finden würde.

Mein Herangehen besteht aus zwei Schritten:
Ich mache allein einen Rundgang und fotografiere alles, was perspektivisch wichtig ist.
Den zweiten (oder wahlweise den ersten) Rundgang machen wir gemeinsam. Mit Raum für Geschichten, Detailbilder.

Die Geschichten sind wichtig, um auch nicht-optische Dinge mit abzufangen. Auch Gerüche, besondere haptische Erinnerungen, Klänge können mit der Erinnerungsfotografie abgebildet werden.


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Trennungsfotografie

Diese Art der Fotografie richtet sich vor allem an Familien mit Kindern, die die gemeinsame Zeit noch einmal festhalten wollen. Dabei steht das Miteinander im Vordergrund. Optional gibt es Raum für Rituale und Gespräche.

  • lockere Familienreportage
  • idealerweise mit Picknick und Spaziergang
  • optional mit Ritualen für Erinnerungen und Wünsche

Ein letztes Familienfotoshooting

Was ich meist erlebe: Ich werde für ein Fotoshooting gebucht und die Trennung schwebt im Raum. Zwischen den Erwachsenen ist sie kommuniziert, nur noch nicht vollzogen. Die Kinder sind noch außen vor und gerade für das Shooting wird der Familienfrieden aufrecht erhalten.

Jeder spielt sein kleines Schauspiel und das funktioniert erstaunlich gut. Denn es ist nicht Alltag – wir sind unterwegs, haben Spaß, lachen, wandern, werfen Steine.
Und dennoch ist zwischen den Zeilen eine gewisse Melancholie und Hemmung – denn es gibt so viel, was besprochen werden und seinen Platz finden müsste.

Was ich zweimal fotografiert habe und gern mehr in die Welt bringen möchte:
Ein Trennungsshooting mit offener Kommunikation.

Gemeinsame Erinnerungen, Wünsche und Träume. Auch Erwartungen.
Rituale finde ich dafür sehr schön. Sie berühren, machen Ehrlichkeit möglich, sie sind gut zu fotografieren und werden dadurch in das Erinnerungsbild mit eingewoben.
Z. B. Wünsche als Briefe formulieren, in Schiffchen falten und der Elbe übergeben. Als Teil der Lebensflussarbeit.

Und die wichtige Frage: Wo seht ihr euch in einem Jahr?


5

Erinnerungsfotografie bei Demenz

Demenz ist Erinnerungsverlust. Immer mehr.
Während die Lebensabschiedsfotografie vor allem für die Hinterbliebenen nachwirkt, sind Familienbilder auch für Demenzerkrankte besonders bedeutend.

  • wichtig: das Wohnumfeld mit integrieren
  • durch meine Erfahrung mit der Demenzerkrankung bringe ich die passende Haltung und Ansprache mit
  • die Bilder sind für die Demenzerkrankten selbst und die Anverwandten wichtig

Daran kann ich mich nicht erinnern…

Demenzerkrankungen sind schwer zu fassen, noch weniger zu planen und emotional für alle Beteiligten eine Herausforderung.

Umso wichtiger ist die Bindung und Aufrechterhaltung von Erinnerung so lange es möglich ist.
Und wenn die Erinnerung schwindet und immer öfter der Satz kommt: “Daran kann ich mich nicht erinnern”, ist es ein großes Privileg gemeinsame Fotos zu haben, über die man sprechen kann.
Dazu noch Geschichten – denn sie machen Informationen besser erinnerbar.

Die Demenz meiner Mutter fing bereits vor fast 15 Jahren an – die ersten Anzeichen waren Stolpern, Angst vor dem Radfahren und die langsame Aufgabe von Sozialkontakten.
Später kam die völlige Ablehnung jeglicher Verantwortung dazu – am Schluss auch der Verantwortung für sich selbst.

Erst sehr spät haben wir verstanden, was dahinterstecke. Nun lebt sie behütet in einer Wohngemeinschaft für Demenzerkrankte und wir begegnen uns wieder liebevoll und freundschaftlich.


I am trying to remember you and let you go at the same time

Du hast den Weg hierher gefunden weil Du trauerst. Oder aus Neugier. Aber auch für Dich, den Neugierigen, ist es gut hier zu sein. Um zu lesen, um sich zu informieren. Auch um zu erleben, dass es viele Möglichkeiten gibt, mit der blauen Stunde des Lebens umzugehen. Und der Zeit danach.

Es gibt keine allgemein gültigen Lösungen – nicht für den Umgang miteinander, nicht für die letzten Monate und auch nicht für die Trauer. Es ist sogar äußerst wünschenswert, dass es unterschiedliche Zugänge und Haltungen gibt.
Wozu ich aber anregen möchte: Es gibt auch Schönheit am Ende.
Fotografien können Erinnerungen, Geschichten und Details festhalten. Und die Schönheit des Lebens.

Hast du fragen an mich als

Abschiedsfotografin?

Mit der Zeit sammle ich hier im Blog unter #abschied Beiträge zur fotografischen Themen, aber auch zum Komplex der Trauer, Pflege und eigene Geschichten.
Parallel sind kurze Zusammenfassungen auf Instagram zu lesen:

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