Ich möchte nicht konsumiert werden

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2011 habe ich mich hauptberuflich selbstständig gemacht. 2018 war mein siebentes Jahr Selbstständigkeit, so richtig mit allem – Umsatzsteuer, vollen Terminkalendern und sogar vom Verdienst leben können. Und ja – es war verflixt.

Zu viel von allem

Das Wichtigste zuerst: An der Fotografie liegt es nicht. Die Kamera fühlt sich immer noch sehr stimmig an, ich bearbeite gern meine Bilder, freue mich auf jedes Fotoshooting und bin sehr gespannt, was mich dieses Jahr alles erwartet.

Trotzdem habe ich das Gefühl in einem vielbefahrenen Kreisverkehr zu stehen. Alles wuselt stumpfsinnig um mich herum. Zu viele Menschen und Einflüsse, zu viel Wahl, Kaufen und Müssen. Zu viel Konsum. Für sich und die echte Beschäftigung miteinander bleibt keine Zeit. Wie viele Beziehungen brechen in meinem Umfeld auseinander – seien es Freunde, Kunden oder entfernte Bekannte. Und überall ist es dasselbe. Das Unvermögen sich aufeinander einzustellen und sich miteinander zu entwickeln. Zu wenig Zeit für die Beziehung.

Sehr wenige Menschen machen sich bewusst was sie wann warum tun oder kaufen. Unbewusste Einflüsse steuern uns, Bequemlichkeiten und Ablenkungen an jeder Ecke. Und wir bemerken es nicht einmal. Auch dieser Achtsamkeits-Yoga-Firlefanz (nichts gegen echtgelebte Achtsamkeit und Yoga für sich) ist doch auch nur dazu da, dass man fitter und gesünder ist, um sich besser ausbeuten zu lassen. Ganz freiwillig.

Und ich bin mittendrin. Ich habe meine Art zu fotografieren so aufgebaut, dass ich gern echte Momente und Beziehungen einfangen möchte. Dabei soll es auch bleiben. Nur jetzt kommt der Haken:

Der Fluch der Sichtbarkeit

Um auf diesem Markt mitzumischen (denn das will ich ja eigentlich, um meine Fotografie zu verkaufen), muss ich ein Teil davon sein. Ich muss mich präsentieren, mich zeigen, werben. Ich muss mich sichtbar machen. Auf Google, Facebook, meiner Webseite, Messen, Portalen etc.

Bei Facebook ist es mir zuerst bewusst geworden: Ich will das gar nicht. Dieser tägliche Kampf des Sich-Präsentierens ist mir immer schwerer gefallen. Das liegt vor allem daran, dass man super viel von sich preisgibt (sinnvolle Texte, Bilder, Lebenszeit) und super wenig zurückbekommt. Denn ich bin nur ein Teil einer Timeline. Ich bin zu einem Konsumgut geworden.

Ich will aber verdammt nochmal nicht konsumiert werden.

Das betrifft nicht nur Facebook sondern alle Lebensbereiche. Ich habe mich immer mehr zurückgezogen und gar nichts mehr von meiner Arbeit gezeigt. Sich von likes abhängig zu machen, erscheint mir nicht sinnvoll. Hinzu kommt, dass es nicht nur für mich ein absoluter Energieräuber ist, sondern auch für den Betrachter. Du scrollst durch Facebook, um Dich zu amüsieren und abzulenken. Werbung, Bilder, „Informationen“ rauschen nur so durch (natürlich von FB bereits vorgefiltert – was nicht anders geht, weil es ob der schieren Masse an Daten gar nicht möglich ist, alles anzuzeigen) und was bleibt am Ende übrig? Am Ende habe ich angefangen mir zu wünschen, dass Du diese wertvolle Lebenszeit lieber für Dich genutzt hättest.

Und was nun?

Ehrlich gesagt: Keine Ahnung 🙂 Aber jetzt schreibe ich erst einmal hier auf meinem Blog und werde sehen, was das Leben für neue Möglichkeiten bringt. Zur Zeit habe ich ganz viel RealLife und genieße das in vollen Zügen. Konsum ist dafür gar nicht nötig.

Die Bilder entstanden übrigens von Ansgar als er 7 war – auch so ein Wandlungsjahr. Vom Kindergarten zur Schule, vom Selbstlernen zum Gelerntbekommen, vom Rumrennen zum Sitzen, vom Können zum Müssen…

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