Als Kinderfotograf in Radebeul – ein kritischer Rückblick

Kinderfotos Kinderbild Kinderfotografin, Radebeul

2011 habe ich mich als Kinderfotograf in Radebeul hauptberuflich selbstständig gemacht. 2018 war mein siebentes Jahr Selbstständigkeit, so richtig mit allem – Umsatzsteuer, vollen Terminkalendern und sogar vom Verdienst leben können.

Radebeul ist mein Kiez – Fotograf mein Traumberuf

Es war definitiv eine der besten Entscheidungen überhaupt, die ich habe treffen können. So viele wunderbare Menschen kommen auf mich zu, Begegnungen, die Kraft schenken und unendlich viel Freude machen. Mein Alltag ist sehr abwechlungsreich und selbstbestimmt – diese Freiheit liebe und brauche ich.

Radebeul ist mein Kiez – ich kenne mich hier aus, weiß wann wo das beste Licht für welche Fotoshootings ist. Welche Locations für welches Thema gut passen. Ich kann jederzeit auch nach Dresden, Meißen oder Richtung Moritzburg, wo meine Allerlieblingslocation ist.

Radebeul bringt viel mit für schöne Fotos – italienisches Flair, enge Gassen mit Charme, Schlösser, Weinberge, die Elbe mit Hängeweiden und Kieselstrand, den kühlen Lößnitzgrund mit Bach und Bimmelbahn. Und drumrum sind Wälder, Teiche und Felder.

Trotzdem – das 7. Jahr war auch verflixt.

Zu viel von allem

Das Wichtigste zuerst: An der Fotografie liegt es nicht. Die Kamera fühlt sich immer noch sehr stimmig an, ich bearbeite gern meine Bilder, freue mich auf jedes Fotoshooting und bin sehr gespannt, was mich dieses Jahr alles erwartet.

Trotzdem habe ich das Gefühl in einem vielbefahrenen Kreisverkehr zu stehen. Alles wuselt stumpfsinnig um mich herum. Zu viele Menschen und Einflüsse, zu viel Wahl, Kaufen und Müssen. Zu viel Konsum. Für sich und die echte Beschäftigung miteinander bleibt keine Zeit. Wie viele Beziehungen brechen in meinem Umfeld auseinander – seien es Freunde, Kunden oder entfernte Bekannte. Und überall ist es dasselbe. Das Unvermögen sich aufeinander einzustellen und sich miteinander zu entwickeln. Zu wenig Zeit für die Beziehung.

Sehr wenige Menschen machen sich bewusst was sie wann warum tun oder kaufen. Unbewusste Einflüsse steuern uns, Bequemlichkeiten und Ablenkungen an jeder Ecke. Und wir bemerken es nicht einmal. Auch dieser Achtsamkeits-Yoga-Firlefanz (nichts gegen echt gelebte Achtsamkeit und Yoga für sich) ist doch auch nur dazu da, dass man fitter und gesünder ist, um sich besser ausbeuten zu lassen. Ganz freiwillig.

Und ich bin mittendrin. Ich habe meine Art zu fotografieren so aufgebaut, dass ich gern echte Momente und Beziehungen einfangen möchte. Dabei soll es auch bleiben. Nur jetzt kommt der Haken:

Der Fluch der Sichtbarkeit

Um als Fotograf auf diesem Markt in Radebeul und Umgebung mitzumischen (denn das will ich ja , um meine Fotografie zu verkaufen), muss ich ein Teil davon sein. Ich muss mich präsentieren, mich zeigen, werben. Ich muss mich sichtbar machen. Auf Google, Facebook, meiner Webseite, Messen, Portalen etc.

Bei Facebook ist es mir zuerst bewusst geworden: Ich will das gar nicht. Dieser tägliche Kampf des Sich-Präsentierens ist mir immer schwerer gefallen. Das liegt vor allem daran, dass man super viel von sich preisgibt (sinnvolle Texte, Bilder, Lebenszeit) und super wenig zurückbekommt. Denn ich bin nur ein Teil einer Timeline. Ich bin zu einem Konsumgut geworden.

Ich will aber nicht konsumiert werden.

Das betrifft nicht nur Facebook sondern alle Lebensbereiche. Ich habe mich immer mehr zurückgezogen und gar nichts mehr von meiner Arbeit gezeigt – ein von likes unabhängiges Leben. Hinzu kommt, dass es nicht nur für mich ein absoluter Energieräuber ist, sondern auch für den Betrachter. Du scrollst durch Facebook, um Dich zu amüsieren und abzulenken. Werbung, Bilder, „Informationen“ rauschen nur so durch (natürlich von FB bereits vorgefiltert – was nicht anders geht, weil es ob der schieren Masse an Daten gar nicht möglich ist, alles anzuzeigen) und was bleibt am Ende übrig? Am Ende habe ich angefangen mir zu wünschen, dass Du diese wertvolle Lebenszeit lieber für Dich genutzt hättest.

Und was nun?

Ehrlich gesagt hat sich schon viel geändert, denn jetzt wo den den Text liest, ist schon wieder viel Zeit vergangen. Ich blogge gern, ich fotografiere immer noch Kinder in Radebeul und bin sehr glücklich damit, mich bei den verschiedenen soccial-media Kanälen ausgeklinkt zu haben. Zur Zeit habe ich ganz viel RealLife und genieße das in vollen Zügen. Konsum ist dafür gar nicht nötig.

Die Bilder entstanden übrigens von meinem Sohn als er 7 war – auch so ein Wandlungsjahr. Vom Kindergarten zur Schule, vom Selbstlernen zum Gelerntbekommen, vom Rumrennen zum Sitzen, vom Können zum Müssen…

Wenn Du auch mit mir ein bisschen Fotospazieren möchtest, mit Picknick und Familie, am See oder im Wald, schreib mir oder ruf mich an. Jede Phase des Lebens ist fotogen und hat interessante Aspekte: https://anneliebrux.de/kontakt/

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