Familienreportage

Familien fotografieren zu dürfen empfinde ich als Privileg, denn das größte und persönlichste Gut ist unsere Familie. Auf meine Fotografie übertragen heißt das: Es ist mir besonders wichtig, sie deswegen so respektvoll wie möglich zu behandeln und zu fotografieren. Die Integrität aller Beteiligten soll bestehen bleiben, die der Kinder und der Erwachsenen; die Wünsche und Ideen aller Familienmitglieder sollen mit einfließen. Ich möchte gern Bestechungen vermeiden und statt dessen in das natürliche und entspannte Miteinander eintauchen. Sätze wie: „Du guckst immer zu der Tante und lachst in die Kamera“ sind kontraproduktiv und das Ergebnis ernüchternd. Wir hätten innerhalb von 3 Minuten ein gestelltes Familienfoto, auf dem vielleicht wirklich alle in die Kamera lachen. Es ist aber weder echt noch lebendig.

Ihr dürft euch stattdessen die schönen Empfindungen und Bilder eures alltäglichen Lebens vorstellen

  • die leuchtenden Augen beim Sonntagsfrühstück, mit dem Duft frischer Brötchen und im Wind wehenden Vorhängen
  • gemeinsame Spiele und Kuscheln während Regentropfen auf das Dachfenster prasseln
  • wenn ihr gemeinsam Gutenachtgeschichten lest und euch von den Märchen in ferne Zeiten und Länder mitnehmen lasst
  • das Kinderlachen beim Anschieben der Schaukel mit „Höher, Papa, hööööher. Überschlaaaaaag!“
  • der Geschmack der roten und grünen Gummibärchen, wenn ihr mit geschlossenen Augen versucht die Farbe am Geschmack zu erkennen
  • der Sand zwischen euren Zehen nach einem Tag an der Kiesgrube
  • Dein Baby in den Armen, wie Du es stillst und wiegst (3,5 kg)

Ist es nicht schön, von all diesen kleinen Details Erinnerungen zu haben? Jedes echte Bild bringt diese wunderbaren Erinnerungen zurück, all die Gerüche, Geräusche und Empfindungen. Deine Familie ist mehr als einmal „bitte lächeln“. Viel mehr.

Wie funktioniert das konkret?

Als Basisstrategie für meine Fotografie nutze ich die Familienreportage. Bei rein dokumentarischer Familienfotografie wird weder ins Shooting eingegriffen, noch gezielt arrangiert. Diese Idee finde ich zwar spannend, aber nicht ganz überzeugend. Da ich sowieso ein Fremdfaktor bin, der durch seine pure Anwesenheit schon alles durcheinander bringt, habe ich nur das Element des alltäglichen Beieinander seins übernommen: Beispielsweise komme ich zum Frühstück zu euch, wir essen gemeinsam, spielen und schwatzen. So entstehen viele Alltagsmotive voller Emotionen, Harmonie, typischer Situationen und viel Lachen und Miteinander.

Diese Homestory-Variante lässt sich mit Bildern in der Natur ergänzen oder wir treffen uns gleich unter freiem Himmel.

Ihr bekommt also eine kleine Familienreportage, damit das Fotoshooting entspannt starten kann und sich alle an die ungewohnte Situation gewöhnen können. Ein paar angeleitete Familienbilder geben dem Ganzen aber noch das i-Tüpfelchen, um beispielsweise zu garantieren, dass es mal ein Bild von allen Familienmitgliedern gibt. Denn bei einer reinen Reportage sind selten alle beteiligten Personen im Bild.